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A. Iehsenhain
8. Dezember, 2023“…wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden”. In diesem Sinne – schöne Grüße ans Paul-Ehrlich-Institut! (Nur ein Beispiel – für weitere Adventsgruselgrüße gibt es noch ausreichend Adressaten)
Sebastian Wuf
8. Dezember, 2023Immer wieder bereichernd, die weisen Alten.
Gefährlicher als die Dummheit ist die Anmaßung: Durch unvollständiges Verständnis naturwissenschaftlicher Forschung und Beunruhigung über die Vorläufigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis entsteht eine Vorstellung von der physischen Welt, die die Tatsachen nicht zur Kenntnis nehmen möchte, die sie widerlegen.
So entstehen Systeme unbewiesener Tatsachenbehauptungen (Jungfrauengeburt, Jungfrauen im Paradis, Klimahölle, Klimakipppunkte, Critical Race Theory[!], Queer Theory[!], Post- und Decolonial Theory[!]), die, ihre Beschränktheit gleichsam ahnend, sich immerzu – ritualhaft – zu vergewissern gezwungen sind.
In dieser Rastlosigkeit nehmen ihre Vertreter Dritte in Haft (“how dare you”), die, von den alltäglicheren Dingen des Lebens vereinnahmt, davon zunächst unberührt bleiben.
Mehr und mehr springen die Nutznießer auf, mit deren eifriger Unterstützung die schablonenhaften Denksysteme zu Ideologien heranreifen und nunmehr als Marke (Gottgefälliges Leben, Gerechtes Leben, Gutes Leben, Nachhaltiges Leben) verwertet werden, anmaßend und selbstständig Denkende entwertend gewaltsam “die Welt” zu retten.
Werner Bläser
9. Dezember, 2023Dazu lesen: Jan Fleischhauers Artikel im neuen Focus, “Hasslehre an deutschen Unis”. Leider geht F. nicht gross auf die Gründe ein. Nach meinem eigenen Erleben startete die durchgängige Ideologisierung deutscher sozialwissenschaftlicher Fakultäten eigentlich erst längere Zeit nach 1968. Der Niedergang des Kommunismus verzögerte den Prozess.
Dann aber erhielt das zuerst zarte Pflänzchen Selbsthass immer mehr Dünger. Ein Fanal für den Antikolonialismus war die Unctad-Konferenz von 1960 gewesen (die berühmte, in der Chruschtschow angeblich mit seinem Schuh aufs Rednerpult hämmerte). Hier war versucht worden, eine Allianz des kommunistischen Blocks mit der Dritten Welt zu schmieden.
1972 wurde dann Dennis Meadows’ “Die Grenzen des Wachstums” veröffentlicht. Der ‘Club of Rome’ war damit in aller Munde. Schon dieses Pamphlet beruhte weitgehend auf Computersimulationen und war von der Volkswagenstiftung finanziert worden.
Dass die dann aufkommenden Prophezeiungen (z.B. “peak oil”) sich als weitgehend haltlos erwiesen, störte keinen – man verfuhr einfach nach dem Muster von mittelalterlichen Weltuntergangspropheten: “Wenn ich mit meinem letzten Untergangstermin nicht Recht hatte, dann kommt der Untergang eben später”. Die ganze Chose erinnerte mich teilweise an das wirre Geschreibsel von Nostradamus, aber es fiel auf fruchtbaren Boden.
Als der Ostblock dann unterging, herrschte unter Linken eine kurze Zeitlang Heulen und Zähneknirschen. Aber das hielt nicht lange vor. Die christliche Religion war in einer säkularisierten Welt grossenteils nur noch hohle Fassade, und nun war mit dem Kommunismus eine weitere grosse Weltreligion gestorben.
Ersatz musste her!
Und da griff man in den Werkzeugkasten, den Politiker und Intellektuelle ausgearbeitet und bereitgestellt hatten: Eine wilde Mischung aus Postkommunismus, Antikolonialismus, und Umweltbewegung.
Der Boden, auf den dies fiel, war so fruchtbar, weil einerseits der Geist der Säkularisation und Aufklärung vielen Studenten die Sinnfrage erschwerte, andererseits aber durch den starken Anstieg der Studentenzahlen, besonders in den Sozialwissenschaften, immer mehr Studenten an die Unis strömten, die dort eigentlich nichts zu suchen hatten.
Ich habe selbst noch erlebt, wie die Erstsemester, beginnend etwa in den 90er Jahren und sicher beeinflusst von zahlreichen fehlgeleiteten “Schulreformen”, von Semester zu Semester schlechter wurden. Das konnte man schon an den Orthographiekenntnissen erkennen. Man war zunehmend weniger bereit und fähig, zu pauken und zu schuften. Was interessierten denn pedantische Detailstudien zu Problemen, wenn die moralische Seite der Sache von vorneherein klar war?? Man sparte sich diese mühevolle Arbeit, zu der sowieso nur noch immer weniger Studenten in der Lage waren. Mit Moral konnte man doch genau so viel Status gewinnen wie mit Kenntnissen.
Und so verbanden sich Sinnsuche, Faulheit und Dummheit zu einem giftigen Gebräu.
Das Ergebnis sehen wir jetzt an den Universitäten des Westens – und im Anschluss daran in politischen Parteien – in Form der Woke-Antikultur.
Politiker wie Trump stellen dabei, um im medizinischen Bild zu bleiben, eine Art überschiessende Immunreaktion des kranken Körpers dar.